Kostenlos vs. fahrscheinlos

»Kostenloser Öffentlicher Personen-Nahverkehr«, zitiert Christian Lindner, FDP, bei Jauch das »Programm der Piratenpartei ganz konkret in Nordrhein-Westfalen zur Landtagswahl«. 2 Mrd. Euro koste das. »Fahrscheinlos bitteschön, Herr Lindner!« korrigiert ihn Johannes Ponader, der neue Geschäftsführer der Piratenpartei.

Was heißt »fahrscheinlos«, wenn man sich zugleich auf Hasselt beruft, wo der Bus aus der Stadtkasse bezahlt wird?

Bei den Berliner Piraten geht es um »eine unentgeltliche Nutzung des ÖPNV« oder um einen »fahrscheinlosen, unentgeltlichen ÖPNV«. Ein »fahrscheinloser, gemeinschaftlich finanzierter ÖPNV« kommt auch vor. Und dann der entscheidende Satz: »Die Finanzierung erfolgt über die Erhebung kommunaler Abgaben.«

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Verloren in der Tarif-Todeszone

»München ist ja beileibe nicht die einzige Stadt, dessen Tarifsystem so aussieht, als habe sich bei ihrer Erstellung ein sadistischer Regelfetischist ungehemmt austoben dürfen«, Spon, 24. März 2012.

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Kostenlos mit Kfz-Zulassung durch Leipzig

Bis vier Tage nach Ostern können Bürger mit einer Kfz-Zulassung als Fahrschein Busse und Bahnen im Stadtgebiet Leipzig benutzen. Die LVB will damit neue Stammkunden ködern - sicherlich sinnvoller als eine Preiserhöhung, aber es verpufft letztlich. LVZ, MDR, N24, Bild, 10. April 2012.

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Richtiger Nulltarif oder Bürgerticket

Beim »wirklich total kostenlosen Nahverkehr«, dem »richtigen Nulltarif - Sie steigen ein, Sie zahlen gar nichts«, sieht Prof. Monheim von der Uni Trier, daß am Ende nur noch »Rostlauben« durch die Gegend fahren, weil die klammen Kommunen nichts mehr investieren. Als Alternative favorisiert der Verkehrswissenschaftler den »beitragsfinanzierten Nulltarif«, das »Bürgerticket«. Aber auch gegen dieses Modell werde sich die »große Politik« in Deutschland noch lange sperren, weil im »Autoland« der Autoverkauf im Mittelpunkt stehe. DFM, Interview (MP3), 25. März 2012.

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Freie Fahrt in Tallinn

Tallinn dürfte die erste Hauptstadt der Europäischen Union sein, in der Busse und Bahnen umsonst benutzt werden können. Eine große Mehrheit hat sich in einer Bürgerbefragung dafür ausgesprochen. Ab 2013 soll der Gratis-Nahverkehr losgehen. Die Kosten werden mit gerade mal 20 Mio. Euro beziffert. Um diese Summe aufzubringen, plant die baltische Stadt »Umstrukturierungen bei den Verkehrsbetrieben und im städtischen Haushalt«, HB, FO, FR, FTD, taz, 25./26. März 2012.

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Auf fahrscheinlosen Bus hinarbeiten

Die Offenbacher Kreis-Piraten haben beschlossen, »sich dafür einzusetzen, daß der Kreis als Gesellschafter des RMV auf einen fahrscheinlosen öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) hinarbeitet. Erst sollen Kinder, Jugendliche und Rentner in der Grundsicherung umsonst fahren dürfen, später dann alle im Landkreis. Finanziert werden soll das durch eine Pauschale, die alle Steuerpflichtigen zahlen, und durch eine Art ÖPNV-Taxe für Touristen«, FR, 19. März 2012.

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Allerlei Bestrebungen

Der VDV will wieder einmal, was sonst, das »erhöhte Beförderungsentgelt« von 40 Euro auf bis zu 120 Euro hochknallen. Was sagt die »Politik« dazu? Die SPD möchte lieber die Sozialtickets verbilligen. Geht es nach den Piraten, wäre Schwarzfahren gar kein Straftatbestand mehr. Das Bundesverkehrsministerium, wo der ominöse Betrag festgelegt wird, will derzeit nichts erhöhen. DT, 2. Februar 2012.

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Wir sind Hasselt

»Ein fahrscheinloser, gemeinschaftlich finanzierter Öffentlicher Personennahverkehr - das ist das erklärte politische Ziel der Piratenpartei, die bei der Berlin-Wahl neun Prozent erreicht hat. Eine Utopie? In der belgischen Stadt Hasselt gibt es den Umsonst-ÖPNV schon seit Jahren.« HR-Info, Reportage (MP3), 23. September 2011.

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Gar nicht so realitätsfern

Ist die »fahrscheinlose Fahrerei im U- und S-Bahn-System« angesichts der hohen Schuldenlast Berlins nicht »reichlich realitätsfremd«? Sebastian Nerz, Bundesvorsitzender der Piratenpartei, antwortet, nachdem seine Leute gestern mit Bravour das Berliner Abgeordnetenhaus »geentert« haben:

»Natürlich kostet ein kostenloser ÖPNV im ersten Moment relativ viel Geld. Wenn man sich anschaut, wie viel Geld aber auch staatlicherseits in den Individualverkehr fließt, zum Beispiel in den Ausbau von Straßen, und wenn man sich anschaut, dass es jetzt schon so ist, dass eigentlich die Bürger den ÖPNV zahlen - ob sie das jetzt über Tickets tun, oder ob man das über Steuern tut -, sehe ich das gar nicht so realitätsfern.« DLF, 19. September 2011.

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Schwarzfahrer legen Justiz lahm

Die Berliner Richter, heißt es, ertrinken in einer »Flut von Verfahren gegen Schwarzfahrer«. Die »Arbeit der Justiz« werde »blockiert.« Und damit nicht genug, die »Ersatzfreiheitsstrafe«, wenn einer seine Strafe nicht zahlen kann oder will, ist unterm Strich teuer: »In der JVA Plötzensee sind unter den knapp 500 Gefangenen bis zu einem Drittel Schwarzfahrer. Das kostet den Steuerzahler etwa 80 Euro pro Tag und Gefangenen.« Daher taucht nun die Frage auf: »Sollte Schwarzfahren entkriminalisiert werden?« DT, 8. Juni 2011.

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